top of page

Mir ist sooo langweilig...

Unsere Kinder haben häufig einen dichten Tag. Sie sind es gewohnt, ständig beschäftigt zu werden. Da fällt es vielen nicht leicht, selber eine Aktivität zu finden. Und dann folgt oft - wir kennen es wohl alle- : «Mama, Papa, mir ist langweilig!» Wie attraktiv scheinen da Fernseher, Handy, Spielkonsole.


Der Übergang von einer vorgegebenen Struktur ins selbstgewählte Tun braucht Zeit. Das ist eigentlich völlig normal. Gerade wenn viel freie Zeit zur Verfügung steht, zum Beispiel zu Beginn der Ferien, kann es auch mal harzen mit den Ideen. Oft entsteht Langeweile auch, wenn ein Kind sehr intensiv gespielt hat und aus diesem Flow auftaucht. Die Langeweile ist in diesem Fall ein wichtiges Zwischenstadium bis zur Entwicklung einer neuen Idee.

Viele Kinder finden auch nicht richtig ins Spiel, wenn sie zu vielen Reizen ausgesetzt sind. Wenn das Kinderzimmer völlig überladen ist und es zu viele Spielsachen hat, kann sich das Kind kaum auf etwas vertieft einlassen, sondern wechselt ständig von einem Ding zum anderen. Viele Spielzeuge sind zudem zwar hübsch anzusehen und wirken auf den ersten Blick attraktiv wie eine sprechende Puppe oder ein Fahrzeug, das blinkt und hupt. Auf den zweiten Blick bieten diese perfekten Spielsachen ausserhalb ihrer vorgegebenen Funktionen aber wenig Spielraum zum Entdecken und Ausprobieren. Sie verleiden den Kindern rasch.

Langeweile ist nicht angenehm, weder für das Kind noch für uns Erwachsene. Warum aber fällt es uns Erwachsenen schwer, die Langeweile unserer Kinder auszuhalten? Es lohnt sich, einmal in uns hineinzuspüren, was ein gelangweiltes Kind in uns auslöst:


Möchten wir rasch wieder unsere Ruhe?


Sind wir selber im Stress und haben keine Zeit für das Kind?


Spüren wir gar Schuldgefühle, weil wir denken, dass wir unseren Kindern zu wenig bieten?


Langeweile ist in einem angemessenen Rahmen völlig normal und kein Zeichen, dass mit unserem Kind etwas nicht stimmt. Wenn wir ihm ein gewisses Mass an Langeweile zumuten, das heisst, ihm nicht sofort eine Tätigkeit vorschlagen oder es mit Ideen und Reizen füttern, ermöglichen wir ihm einen wichtigen und stärkenden Entwicklungsprozess. Mit Spielsachen, die viele Möglichkeiten bieten und sich nicht nur für eine Funktion eignen, regen wir die Kreativität und Phantasie der Kinder an. Dazu eignen sich Naturmaterial, Bausteine wie Kappla oder Legosteine, Rollenspielutensilien, Wertlosmaterial, Farben, Papier, Leim, Schere, Klebeband, Tücher usw.


Kreativität und kindlicher Flow brauchen Zeit und Raum. Erleben Kinder dabei Selbstwirksamkeit, wächst ihr Vertrauen in ihre Fähigkeiten und ihr innerer Halt. Sie sind so weniger auf äussere Befriedigungen angewiesen, sondern erfahren: Ich schaffe das selber, und ich halte das aus.

Eine wichtige Ressource für das ganze Leben!


Bildquelle: Spielgruppe imneuhof.ch

Comments


bottom of page